Zugang zu internationalen Märkten

10.01.2019

Angelehnt an die 10. Internationalen Beratertage des Niedersächsischen Ministeriums für Wirt-schaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, stellen wir Ihnen Kurzinformationen über die Märkte China, Kuba, Panama, Polen, Russland, Skandinavien, Südafrika, Türkei und die USA bereit. Sollten Sie weiterführende Informationen benötigen oder Interesse an einem der vorgestellten Märkte haben, können Sie sich an die GWG oder direkt an die jeweiligen Auslandsvertretungen wenden. Die Kontakte finden Sie hier.

China

China wächst weiter, jedoch verstetigt sich das Wachstum und wird für 2018 auf 6,9% prognostiziert, einer der geringsten Werte seit der internationalen Finanz- und Wirtschaftskriese. Die offiziellen Ziele des 13. „5-Jahresplans“ der Regierung in Peking bleiben dennoch die Treibkräfte für Entwicklung der kommenden Jahre: hohes Wachstum, Innovationen, Harmonie in der Entwicklung, sowie ein besseres Leben für die breite Bevölkerung und mehr Rücksichtnahme auf ökologische Aspekte, wie Einbeziehung und effiziente Nutzung erneuerbarer Energien. Letztere sollen u.a. zu mehr Wasser- und Energieeinsparungen führen. Shanghai und Peking werden weiter als Zentren für technologische Innovationen ausgebaut und werben mit hohen Fördermöglichkeiten für Unternehmen und Forscher. In der chinesischen Landwirtschaft sollen in Zukunft verbesserte Technologien eingesetzt werden, um die Produktivität zu steigern und die Kosten zu senken. Weitere Reformen sind zugunsten verbesserten Schutz von geistigen Eigentum, einem modernen Finanz- und Marktsystem, sowie der Bekämpfung von Monopolen geplant.

Kuba

Auf 110.000 km² wurde im Jahr 2017 von 11,5 Mio. Einwohnern ein BIP von 90 Mrd. US $ erwirtschaftet, ein Wachstum um 1,6% gegenüber dem Vorjahr. Der im April 2018 neu gewählte Präsident Miguel Diaz-Canel kündigte Modernisierungen im Wirtschaftssystem und von Staatsunternehmen, u.a. durch ausländische Direktinvestitionen an. Das unter geringem Wachstum, staatlich gelenkter Planwirtschaft oder veralteten Produktionsanlagen leidende Land sucht vor allem Investoren. Große Chancen für ausländische Unternehmen bieten derzeit die über 450 verschiedenen von der Regierung ausgeschriebenen Investitionsprojekte, die nahezu alle Sektoren erfassen, besonders aber den Tourismussektor (Bau, Modernisierung oder Management von Hotels und Golfanlagen), die Landwirtschaft, den Energiesektor oder den Bereich der Biotechnologie (Medikamentenproduktion, Krebsimpfstoffe, begleitende Dienstleistungen). Gut ausgebildete Arbeitskräfte, ordentliche Bedingungen für Tourismus, Nickelreserven und eine starke Stellung in der pharmazeutischen Forschung wirken als Investitionsanreize.


Panama

Im Jahr 2017 wies Panama mit einem Plus von 5,4% das höchste Wirtschaftswachstum in Latein-amerika auf und gilt nach wie vor als globalisierteste Wirtschaft der gesamten Region. Grund dafür ist die Drehscheibenfunktion des erweiterten Panamakanals, ein dichtes Netz führender und effizienter Häfen am Atlantik und Pazifik, sowie Sonderwirtschaftszonen von überregionaler Bedeutung. Deutschland exportierte in 2017 Waren im Wert von fast 400 Mio. € nach Panama, vor allem Fahrzeuge, chemische Produkte, pharmazeutische Waren, Maschinen, Elektro- und Medizintechnik, sowie Ersatzteile. Als Vorteile der Volkswirtschaft sind insbesondere eine investoren-freundliche Gesetzgebung, Steuervorteile und Standortvorteile für Niederlassungen deutscher Firmen zu nennen.

Polen

Polen gilt als europäische Produktionsmacht im Bereich der Automobilkomponenten und als drittgrößte Fabrik des Staatenbundes. Über 20% der EU-Arbeitsplätze im industriellen Bereich entstehen derzeit in Polen. Neben Automobilen produziert der Staat vor allem Möbel, Holz und Holzprodukte, sowie Transportgeräte. Obwohl die Durchschnittsgehälter in den letzten Jahren angestiegen sind (in 2017 auf 982€ brutto / Monat) und inzwischen über denen der Slowakei, Ungarns oder Lettlands liegen, sind sie immer noch geringer als beispielsweise in Kroatien, Estland oder Slowenien. Damit bleibt die Konkurrenzfähigkeit als Produktionsstandort wohl auch in den nächsten Jahren erhalten.

Russland

Trotz  Sanktionen der EU und der USA, die sich u.a. gegen Einzelpersonen oder den Zugang zum US-Zahlungssystem richten, plant Russland derzeit große zukünftige Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur. Als Beispiele können der Ausbau von Seehäfen, des Schienennetzes, Straßen oder Flughäfen genannt werden. Um weniger von Importen abhängig zu sein, soll in Zukunft die eigene Produktion gestärkt werden. Dazu sollen die Arbeitsproduktivität erhöht und u.a. Geschäftspartner für lokal lizensierte Produktion gefunden werden. Darüber hinaus sollen mehr Güter für den Export bereitgestellt werden, um im Jahr 2024 ein Exportvolumen in Höhe von 250 Mrd. US $ zu erreichen. Antworten auf die Fragen wie man den russischen Markt erforscht, Kunden findet, Geschäftsbeziehungen anbahnt und vieles mehr, beantwortet auch hier die niedersächsische Auslandsvertretung.

Skandinavien

Skandinavien steht nicht nur für 25 Mio. Konsumenten direkt hinter der bundesdeutschen Landesgrenze, sondern auch für 4 Länder, 4 Märkte und 4 Kulturen. Als Vorteile der Märkte gelten unbestritten politische und wirtschaftliche Stabilität, hohe Kaufkraft, geringe Arbeitslosigkeit und ste-tiges Wachstum. Aktuelle Wachstumsbranchen sind:

•    Digitalisierung / Industrie 4.0
•    Erneuerbare Energien (Umwelttechnik, Biogas, Windenergie, Solarenergie)
•    LifeScience (Medizintechnik, Chemie & Pharma, Biotechnologie)
•    Maschinen- und Anlagenbau
•    Ökologische Lebensmittel
•    Elektrotechnik und Elektronik
•    IT und Telekommunikation
•    Infrastrukturprojekte und öffentliche Bauaufträge.

Südafrika

Als Nachfolger von Jacob Zuma verkündete der im Februar 2018 gewählte Präsident Cyril Ramaphosa die Beseitigung korrupter Strukturen sowie großflächige Investitionsprogramme und die Sanierung verschuldeter Staatsunternehmen. Große Probleme bleiben aber nach wie vor eine hohe Inflationsrate von 5%, das schwache BIP Wachstum von vrsl. lediglich 0,5% in 2018 und eine hohe Arbeitslosigkeit (offiziell 27,5%, inoffizielle Werte liegen um 40%). Auch die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei etwa 52% und insgesamt sind 17,5 Mio. von rund 57 Mio. Südafrikanern auf Sozialhilfe angewiesen. Damit einher gehen interventionistische Wirtschaftspolitik hohe Ungleichheit in der Gesellschaft, Kriminalität und geringe Produktivität. Dennoch ist und bleibt Südafrika ein wichtiger internationaler Akteur. Seit 2016 hat das Land durch das EPA-Freihandelsabkommen zollfreien Zugang zum EU Binnenmarkt. Das Land produziert etwa 23% des gesamten Subsahara BIPs und gilt als größter und wichtigster Handelspartner und Investitionsstandort in Afrika. Besonders attraktive Wirtschaftszweige sind:

•    Automobilbau und –zuliefererindustrie
•    Maschinen- und Anlagebau
•    Tourismus, Handel, Finanzdienstlistungen
•    Pharmazeutische Erzeugnisse
•    Medizintechnik
•    Landwirtschaftstechnik und Nahrungsmittelverarbeitung
•    Erneuerbare Energien und Umwelttechnologien
•    Infrastruktur und Transportwege (Straßen, Schienen & Häfen)

Bei Hightech Produkten weist das Land einen hohen Bedarf auf und wird aufgrund einer relativ guten (aber dennoch modernisierungsbedürftigen) Infrastruktur, unabhängiger Justiz, Pressefreiheit und seinem hoch entwickelten Finanzsektor als Tor zu Afrika gesehen.

Türkei

Die Lira verliert nach wie vor an Wert, sodass die Inflation die Türkei weiter in Atem hält und Ende 2018 bis auf über 25% gestiegen ist. Ausländische Direktinvestitionen sind von 2012 bis 2017 stark gesunken, insbesondere die aus Deutschland, trotz der traditionell engen wirtschaftlichen Beziehungen. Dennoch bleibt die Türkei an attraktiver Standort, vor allem aufgrund der geografischen Lage. Innerhalb eines Tages kann mit 16 unterschiedlichen Zeitzonen, von New York bis nach Tokio kommuniziert werden und über Straßen, Schienen, den See- oder Luftweg bekommt man Zugang zu weiteren Schlüsselmärkten in der Region. In 2016 wurden zwischen Deutschland und der Türkei Waren im Wert von ca. 32 Mrd. € gehandelt und 5 Mio. deutsche Touristen besuchten das Land am Bosporus. Nach wie vor sind gut 7.000 deutsche Firmen in der Türkei ansässig. Großprojekte liegen in der Branche der erneuerbaren Energien, dem Bau von Erdgas Pipelines nach Europa oder der Erneuerung bzw. des Ausbaus des Schienennetzes.

USA

Die Größten Chancen auf dem US-Markt bestehen derzeit im Bereich der Medizintechnik, Mikroelektronik, Telekommunikation, Messtechnik, Biotechnologie, Software und erneuerbare Energien. Die USA sind der weltweit größte Markt für Medizintechnolgie, mit einer Marktgröße von 156 Mrd. US $, das entspricht ca. 40% des gesamten Weltmarktes. Im Bereich der erneuerbaren Energien wird der Anteil in den USA bis 2030 auf bis zu 27% geschätzt. Damit werden ca. 20% der weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien in den USA stattfinden. Folgende Standortvorteile sind nennenswert:

•    Transparentes und berechenbares Rechtssystem
•    Relativ moderne Infrastruktur
•    Weltweit lukrativster Konsumentenmarkt mit starker Kaufkraft
•    Hochqualifiziertes Arbeitskräfteangebot
•    Lukrative finanzielle Unterstützung auf Bundes- und Staatenebene

Bei der Betrachtung des Marktes sollten aber auch die Nachteile, wie eine starke Konkurrenz im Konsumentenmarkt, begründet in der hohen Angebotsvielfalt, oder die weltweit dritthöchste Körperschaftssteuer nicht vernachlässigt werden. Ein zukünftig steigendes Potenzial wird in den Bereichen Erneuerbare Energien, Biotechnologie, High Tech, Telekommunikation, sowie Luft- und Raumfahrt gesehen. Abnehmen werden hingegen die Branchen Textil, Print Media, Computer Hardware und die Lederproduktion.

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