Möglichkeiten der Nutzung von Drohnen

25.10.2018

PraxisForum „Drohnen/UAV“ informierte in Göttingen über die vielfältigen Möglichkeiten der Nutzung von Drohnen in Forschung und Praxis

Sie retten Rehkitze, erleichtern die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern und dokumentieren Schäden oder Baufortschritte an Immobilien – welch vielfältige Möglichkeiten der Einsatz von Drohnen bietet, erfuhren rund 70 Teilnehmer des PraxisForums „Drohnen/UAV“ am Dienstagnachmittag im Tagungs- und Veranstaltungshaus „Alte Mensa“ in Göttingen. Organisiert hatte die Veranstaltung der SüdniedersachsenInnovationsCam-pus (SNIC) in Zusammenarbeit mit Measurement Valley. Dabei stellten Experten in fünf Kurzvorträgen gesetzliche Rahmenbedingungen, technische Entwicklungen und praktische Anwendungsfelder vor. Denn neben dem privaten Einsatz als „nettes Spielzeug“ bieten professionelle Drohnen großen Mehrwert für Industrie, Hand-werk und Forschung. Überall dort, wo es kostspielig oder gefährlich ist, etwas zu prüfen, zu beobachten oder zu messen, erobern unbemannte Fluggeräte die Luft. Im Vergleich zu Baugerüsten oder Helikoptern sind Industriedrohnen sowohl günstiger als auch effizienter.


Alexander Helbing, Gründer der exabotix GmbH, baut und testet Industrie-Drohnen. Mit dieser Expertise führte der Jungunternehmer durch die Geschichte der Drohnen und infor-mierte über die Eigenschaften der auf dem Markt befindlichen Geräte. Den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffte die Drohne 2012. Die ersten Versuche mit unbemannten Fluggeräten liegen jedoch bereits weit zurück: Um 1880 wurden Kameras an Drachen, Tauben oder Ballons befestigt, um Luftaufnahmen zu ermöglichen. Auch Dr. Paul Magdon von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen hat so angefangen – mit einer an einen Drachen montierten Kamera machte er die ersten Bilder von der russischen Tundra. Drohnen bieten jedoch zeitlich wie räumlich mehr Flexibilität und sind nicht auf Wind angewiesen. Verschiedene Sensoren ermöglichen zudem unterschiedliche Bildaufnahmen – wie Wärmebilder oder 3D-Modellierung.

Mit dem Ziel der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern entwickelt die Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie mithilfe der neuen Technologie Methoden, um fun-dierte Infos über Zustand und Veränderungen von Wäldern und Wiesen zu erhalten. Früher gingen Förster durch den Wald, zählten Bäume, maßen deren Durchmesser und kartierten von Hand Wildschäden am Boden. Heutzutage erledigen Drohnen diese Arbeit in einem Bruchteil der Zeit – inklusive dreidimensionaler Modellierung der Bäume. Einziges Hinder-nis: Drohnen dürfen nicht außerhalb des Blickfeldes fliegen. Weitere Einschränkungen sind laut Magdon die noch geringe Flugdauer sowie der hohe Schulungs- und Wartungsaufwand.


Auch für Studierende sind Drohnen ein attraktives Thema. Prof. Dr. Wilm Unckenbold von der PFH Private Hochschule Stade präsentierte einige Exemplare, die im Rahmen studen-tischen Engagements entstanden sind, das weit über den Lehrplan hinaus geht. Diese leis-tungsfähigen, innovativen und superleichten Modellflugzeug- und Drohnen-Modelle haben bereits mehrere internationale Wettbewerbe gewonnen. Christian Trothe, Gründer und Geschäftsführer der MilvusMedia e.K., hat ebenfalls lang-jährige Erfahrung mit professionellen Drohnenaufnahmen. Eines seiner Einsatzgebiete ist die Kitz-Rettung. Mit einer Infrarot-Kamera werden dabei Kitze in Feldern aufgespürt, be-vor der Landwirt mit dem Mähdrescher darüber fährt. Durch Multispektralaufnahmen er-stellte schematische Karten zeigen zudem, wo der Boden viel oder wenig Dünger benötigt. Das spart Materialkosten und vermindert negative Auswirkungen auf das Grundwasser. Außerdem setzt Trothe Drohnen für die Inspektion von Schäden an Dächern und Fassaden ein. Mit Hilfe von Drohnenaufnahmen lassen sich zudem der Material- und Zeitaufwand für Bedachungen errechnen. So setzen etwa Melanie und Hans-Jürgen Kahle von der Stollberg Bedachungen GmbH Drohnen regelmäßig im Rahmen der Auftragskalkulation ein. Zum Abschluss klärte Maximilian Beck von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr über rechtliche Bestimmungen für unbemannte Flugobjekte auf. Die reichen von Kenn-zeichnungs- und Versicherungspflichten bis zu der Frage „Wo darf ich meine Drohne fliegen lassen?“. Dabei sei immer eine Sondererlaubnis möglich – man müsse nur fragen. „Das Thema Drohnen ist gerade sehr in Bewegung. Die EU-Kommission erarbeitet derzeit eine Gesetzesvorlage, die die Vorschriften und Regeln für den Einsatz von Drohnen in der EU vereinheitlichen soll“, sagt SNIC-Referentin und Mitorganisatorin Caroline Heck (Uni-versität Göttingen), „zudem gibt es einen dynamischen, innovativen Markt. Wir sind ge-spannt, wie es weitergeht und planen eine weitere Veranstaltung im kommenden Jahr“. in Forschung und Praxis

Sitemap